Wie viel ist eine Immobilie tatsächlich wert? Eine entscheidende Frage – nicht nur beim Kauf oder Verkauf von Wohnungen und Häusern. Doch endgültig kann sie oftmals nur ein Gutachter präzisieren. Allerdings gibt es unterschiedliche Arten von Immobiliengutachten, die sich nicht nur in den Details voneinander unterscheiden. Besonders kompliziert wird es in den Fällen, in denen ein solches Wertgutachten verpflichtend eingefordert wird. Viele Laien stehen deshalb häufig vor dem gleichen Problem: Welches Gutachten ist für welchen Zweck erforderlich? Jahrzehntelange Erfahrung in der Immobilienbranche macht die AMADEUS Group zu einem Experten auf diesem Gebiet. Hier erläutern wir Ihnen die wichtigsten Aspekte zum Immobiliengutachten, die Detailfragen klären wir in einem persönlichen Gespräch.
Was ist ein Immobiliengutachten?
Bei einem Immobiliengutachten handelt es sich um ein spezielles Gutachten, das den Wert des Hauses oder der Wohnung bestimmt. Relevant ist das beispielsweise für den Immobilienkauf. In manchen Fällen wird es aber auch von behördlicher Seite gefordert. Das Gutachten bewertet den Zustand der Immobilie und darauf aufbauend ihren Wert. Deshalb ist es mitunter auch als Wertgutachten geläufig.
Mit seinem geschulten Blick ermittelt der Gutachter den Verkehrswert der Immobilie, der mit dem Marktwert gleichzusetzen ist. Dieser Wert gibt den Preis an, den das Objekt auf dem freien Markt erzielen würde. Das Gutachten geht auf verschiedene Aspekte ein, von denen der Wert der Immobilien abhängt. Dazu gehören
- der bauliche und technische Zustand der Immobilie,
- die Lage,
- der Bodenrichtwert,
- Grundstücklasten,
- der Energiezustand,
- Erschließungsgrad der Immobilie
- und die aktuelle Lage auf dem Immobilienmarkt.
Für die Wertermittlung der Eigentumswohnung oder des Hauses kommen in einem Immobiliengutachten verschiedene Verfahren zur Anwendung, deren Ablauf gesetzlich vorgeschrieben ist:
Sachwertverfahren
Dieses Verfahren bewertet Wohnungen und Häuser auf der Basis von Abnutzung, Baujahr und Modernisierungsgrad. Es eignet sich insbesondere für selbstgenutzte Immobilien.
Ertragswertverfahren
Der Verkehrswert der Immobilien wird bei dieser Methode mittels einer fest definierten Formel bestimmt.
Vergleichswertverfahren
Der Immobilienwert wird bei diesem Verfahren auf der Basis vergleichbarer Objekte berechnet.
Wofür ist eine Immobilienbewertung notwendig?
Bei einem Immobilienkauf ist der Wert des Objektes von zentraler Relevanz. Mit einem Wertgutachten können sowohl Käufer als auch Verkäufer den Verkaufswert der Immobilien realistisch einschätzen. Doch ein Immobiliengutachten ist auch für andere Fälle wichtig.
Gerichte, Versicherungen und Behördenfordern in manchen Fällen ein solches Gutachten an. So kommt der Wertermittlung bei einer Scheidung oder im Erbfall eine wichtige Rolle zu. Dann bildet die Wertermittlung die Grundlage für die richterliche Entscheidung.
Ein professionell erstelltes Verkehrswertgutachten brauchen Sie allerdings auch, wenn Sie mit der Steuerfestsetzung durch das Finanzamt nicht einverstanden sind. Das Finanzamt berechnet den Wert der Immobilien meist mit einem standardisierten Verfahren, das auf Lage und Größe basiert.
Wer darf Immobiliengutachten erstellen?
Ein Immobiliengutachten für ein Haus oder ein anderes Objekt darf ausschließlich ein dazu befähigterGutachter erstellen. Doch hier gibt es erhebliche Unterschiede in Bezug auf Qualifikation und Zuständigkeit.
Immobiliensachverständiger
Bei einem Immobiliensachverständigen handelt es sich um einen freien Gutachter. Meist sind es Makler oder Immobilienkaufleute, die schon einiges an Erfahrung vorweisen können. In irgendeiner Form geschützt ist der Begriff des freien Gutachters allerdings nicht, im besten Fall kann derjenige seine Befähigung für die Tätigkeit durch das Zertifikat einer anerkannten Institution belegen.
Der Immobiliengutachter besitzt ausreichend Know-how, um eine qualifizierte Immobilienwertermittlung durchzuführen. Wenn es um den Kauf oder Verkauf von Immobilien sowie eine Erbschaft ohne Streitigkeiten geht, liefern seine Gutachten eine gute Grundlage. Vor Gericht haben sie jedoch keinen Bestand.
Öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter
Anders als ein freier ist der öffentlich bestellte und vereidigte Immobiliengutachter ein geschützter Begriff. Die Sachverständigen erlangen ihre Qualifikation, indem sie bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) nach entsprechenden Weiterbildungen eine Prüfung ablegen und sich zum Gutachter ernennen lassen. Deshalb besitzen ihre Gutachten auch vor Gericht Gültigkeit.
Staatlich anerkannter Sachverständiger
Staatlich anerkannte Sachverständige verfügen ebenfalls über eine IHK-Zertifizierung. Sie werden von den Behörden der Bundesländer beauftragt und durch diese überwacht. Lediglich diese Immobiliengutachter sind dazu qualifiziert, von Behörden anerkannte Gutachten zu erstellen.
Welche Immobiliengutachten gibt es?
Eine Immobilienbewertung kann in Form von zwei verschiedenen Gutachten erfolgen – einmal als Kurzgutachten und einmal als Vollgutachten.
Welches Gutachten für welchen Zweck?
Kurz- oder Vollgutachten? Damit Sie sich einen besseren Überblick darüber verschaffen können, für welchen Anlass Sie welches Immobiliengutachten brauchen, haben wir Ihnen im Folgenden eine Übersicht darüber erstellt.
Für den jeweiligen Gutachter führen wir nur das Mindestmaß an Qualifikationen auf, das er für die Bewertung der Immobilien besitzen muss.
| Welcher Anlass? | Welcher Gutachter? | Welche Gutachten-Art |
|---|---|---|
| Immobilienkauf | freier Gutachter | Kurzgutachten |
| Immobilienverkauf | freier Gutachter | Kurzgutachten |
| Immobilienfinanzierung | von der Bank beauftragter Gutachter | Vollgutachten |
| Einvernehmliche Scheidung | freier Gutachter | Kurzgutachten |
| Nicht-einvernehmliche Scheidung | vereidigter Gutachter | Vollgutachten |
| Erbschaft ohne Streitigkeiten | freier Gutachter | Kurzgutachten |
| Erbschaft mit Rechtsstreit | vereidigter Gutachter | Vollgutachten |
| Festsetzung der Erbschaftssteuer | staatlich anerkannter Gutachter | Vollgutachten |
| Festsetzung der Schenkungssteuer | staatlich anerkannter Gutachter | Vollgutachten |
| Zwangsversteigerung | staatlich anerkannter Gutachter | Vollgutachten |
| Ermittlung des Betriebsvermögens | vereidigter Gutachter | Vollgutachten |
| Versicherungsschaden | vereidigter Gutachter | Schadensgutachten |
Wie viel kosten Immobiliengutachten?

Die Kosten von Immobiliengutachten hängen von ihrer Art ab. Weil sich Kurz- und Vollgutachten anhand ihres Aufwandes und Umfanges deutlich unterscheiden, zeigt sich diese Differenz auch im Preis.
Wird der Wert der Immobilien mit einem Kurzgutachten ermittelt, das sich lediglich auf die relevantesten Fakten stützt, beschränken sich die Kosten auf 100 bis 500 Euro. Der Gutachter stellt es meist wenige Tage nach der Beauftragung aus.
Anders verhält es sich mit der Erstellung eines deutlich umfangreicheren Vollgutachtens, das bis zu 30 Seiten umfasst und mit zahlreichen Anmerkungen versehen ist. Die Bewertung nimmt oft mehrere Wochen in Anspruch. Bis 2009 waren die Kosten für solche Immobiliengutachten an die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) gebunden. Seitdem sind sie jedoch frei verhandelbar.
Grundsätzlich orientiert sich der Preis für ein vollständiges Wertgutachten am Wert der Immobilien. Die Kosten für das Immobiliengutachten belaufen sich auf circa 0,5 bis 1 Prozent des Verkehrswertes. Bei aufwändigeren Sachverhalten können sie allerdings noch höher liegen. Dafür sind die Gebühren, die bei der Beschaffung der erforderlichen Unterlagen anfallen, im Honorar des Gutachters bereits inbegriffen.
Fordert die Bank für eine Baufinanzierung eine Immobilienbewertung, trägt sie in den meisten Fällen auch die Kosten für den Sachverständigen.
Als Experte für Immobilien hilft Ihnen die AMADEUS Group auch bei Fragen um das Immobiliengutachten weiter und erläutert Kaufinteressenten, auf welche Details es in ihrem individuellen Fall zu achten gilt
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